Die Erde ist einzigartig im Universum. Sie mag nicht der einzige Planet sein, der intelligentes Leben beherbergt, aber in ihrer geologischen und biologischen Ausstattung ist sie einmalig. Der Mensch ist Teil ihrer Schätze und gleichzeitig ihr Hüter. Er trägt die Verantwortung, sie zu bewahren und zu pflegen. – Das ist die Weltanschauung, die mir als Erdbewohner zu eigen ist.
Schon seit meiner Kindheit trage ich dieses leuchtende Bild in mir, wie das Leben auf der Erde eigentlich aussehen sollte. Ein Bild, das immer wieder dieses deutliche Gefühl in mir hervorruft, dass ich wohl von einem anderen Planeten stammen muss, da mir das irdische Leben vollkommen verzerrt und falsch vorkommt.
Denn wenn ich dieses innere Bild betrachte, sehe ich…
- sattgrüne Wälder, schimmernde Gewässer und aufragende Gesteine
- weichen, fruchtbaren Boden
- duftende Blüten in allen Farben
- pralle Früchte in allen Formen
- schlängelnde Wasserläufe mit vitalem Trinkwasser
- eine reine, klare Luft voller ätherischer Pflanzenaromen
- summende und zirpende Insekten, singende und trillernde Vögel
- barfuß laufende Menschen, die ästhetische Kleidung aus Naturstoffen tragen
- friedliche Gemeinschaften aus Mensch, Tier, Pflanze und Landschaft
- kleine, individuelle Siedlungen, die von Grün durchzogen und von Gärten umgeben sind
- ein verschlungenes Miteinander von Obstbäumen und Beerensträuchern, Gemüsestauden und Wildkräutern
- offene Plätze für Gemeinschaftstätigkeiten
- lauschige Plätze zur Innenkehr
- Kraftplätze mit uralten Baumwesen
- Badehäuser und Regenerationstempel
- Wohnhäuser aus natürlichen Baustoffen
- kunstvolle, organische Architekturen mit harmonikalen Maßen, Formen und Proportionen
- wohltemperierte Innenräume mit frischer Raumluft und fußwarmen Böden
- naturfreundliche Technologien, die freie Energie nutzen
- eine Menschheitsfamilie, das dafür sorgt, dass die Grundbedürfnisse jedes Lebewesens befriedigt sind, damit alle ihr höchstes Schöpferpotenzial entfalten können
- glückliche Menschen, die zum Wohl der Gemeinschaft tätig sind, indem sie sich selbst verwirklichen
Klingt das paradiesisch? Nun, ich finde, es ist höchste Zeit, dass wir Menschen wieder Paradiese auf Erden schaffen – und darin leben! Das Wissen zur Umsetzung ist längst vorhanden. Auch die Sehnsucht nach einer naturgemäßen und sinnerfüllten Lebensführung greift immer mehr um sich. Jetzt fehlt nur noch ein bisschen geschlossene Entschlossenheit…
Jeder Mensch ist in Ordnung, so wie er ist in seinem Wesen, aus seiner eigenen Natürlichkeit heraus. Viele Menschen in der heutigen Welt haben jedoch den Kontakt zu ihrem inneren Wesen verloren und stellen sich nicht mehr die Frage, wer sie sind, was ihre Aufgabe in dieser Welt ist und welchen Sinn ihr Leben überhaupt macht. Manche denken aus Gewohnheit nicht darüber nach. Manche haben es verlernt. Manche fürchten sich gar davor. Manche hingegen sehnen sich danach, die verborgenen Antworten zu finden, sich selbst ganz neu zu entdecken, sich auszuprobieren, in die Welt hinauszutreten und sie mit der Buntheit der eigenen kostbaren Einzigartigkeit zu verschönern…
So wie sich viele Menschen von ihrer eigenen Natur entfernt haben, so ist ihnen auch die äußere Welt der Natur fremd geworden. Manche fühlen sich ihr überlegen. Manche haben Angst vor ihr. Manche sind einfach nur gleichgültig. Manche hingegen haben Sehnsucht danach, hinauszugehen zu den Bäumen, den Kräutern, den Pilzen, sie beim Namen zu nennen und vertraut zu sein mit ihren Eigenarten und ihrem Nutzen für das ganze große Zusammenspiel…
Für mich ist die Erde ein erhabenes Wesen(-heitskollektiv), das wie der Mensch eine Evolution durchschreitet. In seinem Organismus kommt es dabei -natürlich- zu Ungleichgewichten, Störungen, und Krankheiten, aber in sich ist es vollkommen heil.
Da die Erde die Heimat des Menschen ist, sind die Evolutionen beider eng miteinander verwoben. Die Erde ist so gesehen ein Spiegel des Menschen, wie der Mensch ein Spiegel der Erde ist. Erdheilung ist daher für mich ganz eng mit der persönlichen Heilung des Menschen verknüpft.
Wenn der Mensch also wieder in Kontakt zu sich selbst und seiner eigenen Natur tritt, versöhnt er sich auch wieder mit der Erde. Genauso kann er den umgekehrten Weg gehen: Wenn er die Verbindung zur Erde sucht, findet er gleichzeitig zu sich selbst.
Im Jahr 2004 habe ich mich als „Mittler zwischen Mensch und Natur“ selbstständig gemacht. Der Slogan, den ich meinem Wirken gab, sollte mir zugleich Lebens- und Arbeitsmotto sein. Er lautete „Natürlich Stimmig“ und drückte mein Bestreben aus, in Übereinstimmung mit der Natur zu denken und zu handeln.
Zum einen bedeutet «natürlich» = “was die Welt der Natur angeht”.
Ihr gegenüber stimmig zu sein, heißt auf sie abgestimmt zu sein, sich mit ihr verbunden zu fühlen und daher verantwortungsvoll und wertschätzend mit ihr umzugehen: Ich denke in ökologischen Zusammenhängen, empfinde mich als Teil des Lebensnetzes und begreife mich als Mitgestalter darin.
Um natürlich stimmig zu sein, muss ich die Natur kennen lernen: Was macht sie aus? Wie erscheint, klingt, riecht, schmeckt sie? Was bedeutet sie mir? Was bietet sie mir? Wie begegne ich ihr?
Erfahrungen in der Natur und Wissen über sie führen mich zu Naturkompetenz.
Zum anderen bedeutet «natürlich» = “was meine eigene Natur angeht”.
Ihr gegenüber stimmig zu sein, heißt mit meinem Wesen überein zu stimmen, also authentisch zu sein: Wie ich mich nach außen verhalte, was ich sage und tue, das stimmt mit dem überein, was ich innerlich denke und fühle.
Um natürlich stimmig zu sein, muss ich mich also mir selbst stellen: Was macht mich aus? Was gehört zu meinem Wesen? Was sind meine Stärken, meine Schwächen? Was sind erworbene Prägungen, Muster und Glaubenssätze?
Wenn ich mich selbst kenne, kann ich auch selbstbewusst zu mir stehen. Das ist Selbstkompetenz.
Für mich gibt es keinen besseren Grund, auf der Welt zu sein, als diese Kompetenzen zu entwickeln.
